Text 26

A Dieser Kampf um die Aufmerksamkeit, ist die Idee, dass Kultur eine breitere Öffentlichkeit erreicht, ist die gescheitert?
B Keineswegs, also wenn man Ihre Bilder sieht, stellt man natürlich auch fest, es gibt einfach unterschiedliche Realitäten, es gibt unterschiedliche Wahrnehmungen.
A Was ist denn Ihre Wahrnehmung?
B Meine Wahrnehmung ist, dass ganz viele unterschiedliche, sehr phantasievolle Aktionen aus den Demonstrationen heraus sich kristallisiert haben, die dann ein bisschen verunmöglicht wurden, durch die Dichotomie, in die das alles wieder gezwungen wurde. Wir wollten eine Diskussionsplattform bieten, die sich nicht in irgendwelchen Hasen- und Igelspielen ergehen muss, wer ist schneller da, sondern wo die Kunst auch ne Wirkung entfalten kann, deswegen sind wir sehr viel früher da gewesen und da haben wir einfach festgestellt, dass ganz viele Leute, übrigens auch die Bevölkerung, die sogenannte, immer wieder gekommen ist, um sich mit den Inhalten zu beschäftigen, und das ist schon etwas, was uns sehr gefreut hat, und gibt ein Gegenbild zu der Dichotomie zwischen grünem und schwarzem Block, der den Rest zum Verschwinden bringt.
A Also mit anderen Worten, und als kurzes Fazit: nicht gescheitert.
B Auf gar keinen Fall.
A Sind das die Bilder, die Sie erwartet haben?
C Sicher nicht. Wir sind davon ausgegangen, dass es nnn.. äh... ruhiger und friedlicher Auftakt, ein Massenauftakt äh für eine Protestwoche ist, in der verschiedenste Aktionen stattfinden sollten, und wir wollten genau hier ähm ein Symbol, ein Zeichen aussetzen, aussenden, das deutlich macht, diese Protestbewegung hier, findet hier einen Startpunkt, ein ein gemeinsames äh ähm ein gemeinsames quasi Startpunkt, und wovon weitere Aktionen ausgehen können.. ja ähm wir hoffen, dass wir im weiteren Verlauf auch noch Bilder zeigen werden und Bilder kreiieren werden, und Images schaffen werden, die diesen Protest einfach eingehen lassen in..in ..in die Protestgeschichte, als ein Signal und ein Symbol dafür, dass vielfältiger und kreativer Protest möglich war.
A Protest muss flashen. Wie wirksam ist der Protest der Popkultur?
D Also diesen Protest find ich ist eher lächerlich, wer sagt, dass er brennende Autos ne super Aktion findet.. der ist nicht ernst zu nehmen, jemand der Andreas Baader für nen schicken Kerl hält, weil er tolle Klamotten anhatte. Ich find das Problem prinzipiell jetzt, ist folgendes: Wir haben ganz viele verschiedene Gruppen, worauf Sie ja auch stolz sind, sehr grosse bunte Mehrheit, aber es gibt eben auch, siehe auch mehrere tausend Leute, die wollen das überhaupt nicht, die wollen nichts Buntes, die wollen was Uniformes, die wollen Krawall, Gewalt ... oder mit Gewalt äh äh stören, und die anderen wollen vielleicht möglicherweise Protestformen anderer Art darbringen, sie wollen dann auch Forderungen vielleicht stellen, und Sie wollen Aktionen mit der Kunst verbinden, um vielleicht Bewusstsein zu erregen, für bestimmte Themen, aber Sie können nicht Forderungen zum Beispiel stellen an Leute, die Sie vielleicht auf der anderen Seite als Verbrecher und Gangster bezeichnen, das sind gewählte Repräsentanten. Sie können also nicht einfach behaupten, das sind wildfremde Verbrecher und Gangster, die die Weltregierung, die die Welt in Schutt und Asche legen. Das find ich das Problem.
B Schmeißen Sie da nicht sehr viel in einen einzigen Topf und machen so ne Art.
D Nee, nee.
B Gemüsebrei daraus?
D Nee, nee find ich gar nicht.
B Also ich kenne niemand der sagt, das sind Verbrecher, es ist ja so.
D Na, dann lesen Sie mal Zeitung, also.
B Naja, ich find´s darin schon, aber ob das nicht irgendwie Erfindungen sind, äähm..
D Was meinen Sie damit?
B Naja, wenn ich mir die Bilder angucke, dann hab ich das Gefühl, die hatten Sie alle vorher schon im Kasten und jetzt geht’s einmal los!
D Tut mir leid, das war die Realität.
B Naja, es war eine ...
D Das beschönigen Sie einfach, das tut mir leid ...
B Ich war im Unterschied zu Ihnen wirklich da.., und ich war relativ nah dran, ich würde mir niemals anmaßen zu sagen ... das war auch aus meiner Perspektive nicht zu sehen, ich kann Ihnen... Ich glaube auch, dass es von beiden Seiten Interessensgruppen gibt, die genau diese Bilder haben wollen, und Sie etwa bedient dieses Interesse vorzüglich, schürt mit, um dann hinterher zu sagen: Ja, die Massenmedien machen auch wirklich merkwürdige Politik.
D Das muss ich zurückweisen, tut mir leid.
A Wie muss denn Kultur wirken?
C Ich möchte einmal erst auf dieses Bild eingehen, dass eine ... diese Anmaßung, dass dies eine Form von Weltregierung in ihrem Nukleus darstellt , diese Anmaßung, und die Anmaßung Entscheidungen zu treffen, von diesen Staatschefs, die die Perspektive und das Leben von Millionen von Menschen, in anderen Ländern der Welt, unmittelbar beeinflussen, diese Anmaßung, diese kritisieren wir. Und wir kritisieren, dass diese Politik auf dem Rücken von Millionen von Menschen in der dritten Welt durchgeführt und durchgesetzt wird. Und das kann man..wir können auch gerne inhaltlich werden, wir können das an einzelnen Beispielen, die hier diskutiert werden, auch fest machen. Wir können darüber sprechen, wie wird der Schutz geistigen Eigentums versucht in der G8 vorzubereiten, um sie dann in der Welthandelsorganisation durchzusetzen, die letztlich dem Interessen von Pharmakonzernen entspricht, die ihre Profite auch in den Drittweltländern über die WTO realisieren wollen, wir können das in dem Bereich Energiepolitik durchdeklinieren. Es geht da um kallharte Interessenspolitik..die eben, die diese G8, das ist eine willkürlich zusammengesetze Staatengruppe, die sich über gemeinsame Interessen definiert und auch Unterschieden.
B Naja, ich find´s darin schon, aber ob das nicht irgendwie Erfindungen sind, äähm..